13 Gründe, weshalb Sie Google Analytics NICHT einsetzen sollten

04.05.2017 - Michael Kornfeld

Google Analytics ist das weltweit mit Abstand am meisten verbreitete Web-Analyse System. Und das aus gutem Grund, denn es ist sehr mächtig, relativ einfach in der Benutzung und - vor allem - kostenlos.

 

Doch neben den unbestreitbaren Vorteilen gibt es auch eine ganze Reihe von handfesten Gründen, die gegen einen Einsatz von Google Analytics sprechen.

 

Damit wollen wir keineswegs von Google Analytics abraten; doch wenn man sich für Google Analytics entscheidet, sollte man sich dieser Punkte bewusst sein.

 

Hinweis: Dieser Artikel bezieht sich auf die kostenlose Version von Google Analytics; es gibt auch ein kostenpflichtiges „Google Analytics 360“, das einige der Nachteile nicht aufweist – aufgrund der Kosten aber nur für wenige Unternehmen in Frage kommt.

 

1) Ihre Daten gehören nicht Ihnen.

Einer der wichtigsten Punkte gleich zu Beginn: Die Analyse-Daten Ihrer Website werden auf den Servern von Google gespeichert und gehören Google – nicht Ihnen. Dem stimmen Sie übrigens mit der Einrichtung des Accounts zu.

 

Wofür Google diese Informationen genau verwendet oder verwenden wird, ist weitgehend unklar. Doch sollte Google seinen Dienst einmal einstellen oder Sie den Account kündigen, dann sind die Analyse-Daten Ihrer Website verloren.

 

2) Falsche Ergebnisse bei schlechter Konfiguration.

Sehr häufig wird bei der Implementierung von Google Analytics nur der Tracking-Code generiert und 1:1 in die Website eingebaut. Dabei werden oft die vielfältigen Einstellungen, die Analytics bietet, übersehen oder ignoriert.

 

Das Problem: Wenn man manche dieser Einstellungen nicht nutzt, können die Zahlen sehr stark verfälscht werden!

 

Denn wenn zum Beispiel die Seiten-Aufrufe durch die eigenen Mitarbeiter nicht ausgeschlossen werden, könnte das zu einer nennenswerten Verzerrung der Besucher-Statistik führen. Oder wenn die Besuche von bekannten Spam-Bots nicht ausgeschlossen werden, sind die Zahlen, die Sie analysieren, eventuell nicht aussagekräftig.

 

Tipp: Die häufigsten Anfänger-Fehler zu Google Analytics haben wir in unserem Whitepaper „Web-Analyse: Die häufigsten Google Analytics Fehler“ im Detail beschrieben – mit vielen Screenshots und praktischen Hinweisen!

 

3) Keine SLAs oder andere Garantien.

Google Analytics wird kostenlos zur Verfügung gestellt – da ist klar, dass Google keine SLA (Service-Level-Agreements), eine Mindest-Verfügbarkeit oder andere Rahmenbedingungen garantiert – wie das bei kommerziellen Anbietern sehr wohl üblich ist.

 

Theoretisch könnte Google morgen alle seine Server abschalten – und dann gäbe es auch keine Analysen mehr.

 

Zugegeben: Das ist sehr theoretisch, doch wesentlich wahrscheinlicher ist, dass Google einmal entscheidet, Google Analytics nicht mehr kostenfrei anzubieten. Dann wird man entweder zahlen müssen – oder man kann das System nicht mehr nutzen.

 

4) Keine Speicherung der Rohdaten.

Google Analytics speichert keine Rohdaten, sondern nur aggregierte Analyse-Daten. Das kann sehr problematisch sein – zum Beispiel, wenn Sie einen Filter in Google Analytics falsch eingestellt haben und somit wichtige Zahlen eine Zeitlang nicht erfasst werden.

 

Ein Beispiel: Anstelle die Zugriffe durch Mitarbeiter über einen Filter auszuschließen wurden diese irrtümlich eingeschlossen und damit alle anderen Seitenaufrufe nicht gespeichert.

 

Natürlich können Sie die Filter oder andere Einstellungen wieder korrigieren. Doch das gilt nicht rückwirkend! Die falsch oder unvollständig erhobenen Zahlen können dadurch nicht korrigiert werden.

 

5) Keine Analysen in Echtzeit.

Die meisten Reports in Google Analytics sind zeitverzögert – und nicht in Echtzeit.

 

Für die meisten Unternehmen wird das vermutlich kaum eine große Rolle spielen. Doch für große Unternehmen wie Verlagshäuser, Fluglinien oder Online-Shops kann es zu einem Problem werden, wenn wichtige Analysen erst mit bis zu einem Tag Zeitverzug durchgeführt werden können.

 

6) Beliebtes Ziel für Blocking-Programme.

Die Tatsache, dass Google Analytics das weltweit am meisten verbreitete Analyse-Tool ist, bringt es mit sich, dass es von den meisten Blockade-Programmen (die Tracking-Skripte wie jenes von Google Analytics automatisch blockieren) erkannt und blockiert wird.

 

Je mehr User also solche Programme wie Ghostery, Ublock & Co einsetzen, umso weniger genau werden die Website-Analysen mit Google Analytics. Denn Aufrufe, die nicht erfasst werden, können auch nicht analysiert werden.

 

7) Kampagnen-Spam kann kaum verhindert werden.

Ein großer Vorteil ist gleichzeitig ein Nachteil: In Google Analytics müssen Kampagnen nicht zuerst angelegt werden, damit sie vom System erfasst werden können. Es genügt, eine Kampagne über die URL-Parameter zu übergeben – wenn sie noch nicht existiert, wird die Kampagne automatisch von Google Analytics angelegt. So weit, so praktisch.

 

Doch die Sache hat auch einen Haken: Denn damit können Dritte völlig nutzlose Kampagnen für Ihre (!) Website definieren und in Ihrem Google Analytics Account anlegen – ohne dass Sie dagegen etwas tun können.

 

Ein Beispiel: Wenn Sie einen Link wie www.firma.at?utm_source=test-quelle&utm_medium=test-medium&utm_campaign=bloedsinn in Ihrem Browser aufrufen, dann hat diese Website automatisch einen Aufruf über die Kampagne „bloedsinn“ in ihrem Analytics-Account gespeichert.

 

Dazu kommt, dass Gross- und Kleinschreibung eine Rolle spielt: „facebook“ und „Facebook“ sind damit  (normalerweise) zwei separate Kanäle. Wenn Sie also Mitarbeiter bzw. Agenturen nicht auf eine einheitliche Schreibweise eingeschworen haben, muss man später Quellen und Kampagnen etwas mühsam manuell zusammenzählen.

 

8) Es gibt keinen Support.

Google Analytics ist sehr umfangreich und sehr mächtig. Es gibt glücklicherweise unzählige Hilfeseiten oder auch Bücher (und tolle Seminare! ;-) zu dem Thema – doch manchmal gibt es einfach eine Frage, die man gerne mit einem echten Menschen klären würde.

 

Einen Support von Google selbst dürfen Sie dann nicht erwarten (bei einem kostenlosen Tool auch verständlich). Natürlich gibt es Support durch Partner – aber der ist natürlich kostenpflichtig.

 

9) Datenschutz ist nicht automatisch gegeben.

Die gute Nachricht vorweg: Es ist inzwischen möglich, Google Analytics datenschutzrechtlich korrekt einzusetzen.

 

Die schlechte Nachricht: Das ist nicht automatisch der Fall. Wenn Sie nur den Standard-Tracking-Code in Ihre Website einbauen, wie er von Google Analytics generiert wird, dann entspricht das nicht den europäischen Datenschutz-Vorschriften!

 

Denn diese verlangen, dass die IP-Adresse anonymisiert wird. Dazu muss man zwar nur eine einzige Zeile im Tracking-Code ergänzen – doch daran muss man denken.

 

Außerdem muss man eine Dienstleister-Vereinbarung mit Google abschließen und zusätzlich auf der Website auf die Verwendung von Analytics hinweisen.

 

Das ist alles keine Hexerei und auch nicht wahnsinnig aufwändig; doch wenn man diese Vorschriften nicht umsetzt, verstößt man gegen das Datenschutz-Gesetz. Spätestens mit der neuen DS-GV kann das sehr teuer werden.

 

10) Einige Features sehr versteckt bzw. umständlich.

Grundsätzlich ist Google Analytics – auch bzw. gerade im Vergleich zu anderen Web-Analyse Tools – relativ einfach in der Benutzung. Doch es gibt auch einige Features und Funktionen, die kaum jemand kennt – weil sie sehr versteckt sind.

 

Oder wussten Sie zum Beispiel, dass man zu Kampagnen auch deren Kosten hochladen kann, damit man zum Beispiel in Analytics nicht nur die Conversions, sondern auch echte ROI (Return On Investments) berechnen lassen kann?

 

Oder dass man über das „E-Commerce Tracking“ auch Umsätze zu allen Transaktionen speichern kann, um dann eine Vielzahl von weiteren Analysen durchführen zu können?

 

Oder dass man in Google Analytics auch eigene Kennzahlen definieren kann? Oder sich automatisch bei Über- oder Unterschreitungen von wichtigen Schwellenwerten per Mail informieren lassen kann?

 

All diese Funktion stehen völlig kostenlos zur Verfügung – man muss sie lediglich in den Einstellungen aktivieren. Nur dazu muss man wissen, dass es diese Einstellung überhaupt gibt.

 

11) Limits und Beschränkungen.

Es gibt mehrere Limits, die Google Analytics vorgibt: So können beispielsweise maximal 20 Ziele definiert oder 20 benutzerdefinierte Dimensionen angelegt werden.

 

Und es gibt ein Aufzeichnungs-Limit: Wenn im Analyse-Zeitraum mehr Seitenaufrufe (genauer: Ereignisse) erfolgen, dann werden ab Erreichen des Limits die weiteren Aufrufe nicht mehr erfasst.

 

Zugegeben: In der Praxis spielen diese Beschränkungen für die meisten Websites wohl keine große Rolle – doch für große Unternehmen könnten manche Limits ein Thema sein.

 

12) Keine Sonderwünsche möglich.

Google Analytics ist eine Standard-Software – sie ist für alle Benutzer gleich.

 

Kommerzielle Systeme bieten neben einer API (Programmier-Schnittstelle; die hat Google Analytics ebenfalls) auch die Programmierung von zusätzlichen Funktionen, wenn man solche benötigen sollte.

 

Natürlich ist das mit Aufwand und Kosten verbunden – doch für manche Unternehmen könnte das wichtig sein.

 

13) Oberliga-Features fehlen.

So mächtig und umfangreich Google Analytics auch ist – es gibt Systeme, die (deutlich) mehr können.

 

So können kommerzielle Systeme normalerweise Rohdaten exportieren, es gibt keine oder höhere Limits (z.B. was die Anzahl der möglichen Ziele betrifft), es können Adhoc-Trichteranalysen durchgeführt werden (d.h. es können Trichter definiert bzw. geändert und dann auf historische Daten im Nachhinein angewendet werden), u.v.m.

 

Natürlich stellt sich dabei die Frage, für welche Unternehmen diese zusätzlichen Features einen entsprechenden Mehrwert bieten. Doch je wichtiger eine Website für den Erfolg eines Unternehmens ist, umso mehr Stellenwert wird vermutlich auch die Entscheidung über das Web-Analyse System haben.

 

Daher sollte man sich am besten zuerst einmal Gedanken über die Anforderungen an ein solches System machen – und erst dann eine (qualifizierte) Entscheidung treffen.

 

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