„Ok, Google“ – Was bedeutet Voice Search für die Suchmaschinen-Optimierung?

15.09.2017 - Gastblogger

Online Marketer sind es mittlerweile gewohnt, mit vielen verschiedenen Veränderungen und Trends umzugehen. Kaum eine Branche ist schnelllebiger als der Internethandel. Vor allem in der Suchmaschinenoptimierung gibt es regelmäßige Updates der Algorithmen, die zu großen Veränderungen in den Rankings führen können. Gleichzeitig gibt es viele Entwicklungen, denen SEOs gerecht werden müssen. Webseiten müssen mobilfreundlich sein, einen hohen PageSpeed vorweisen und am besten auch verschlüsselt sein.

 

Neben diesen Trends kommt eine weitere Entwicklung hinzu, die die ganze SEO-Branche umkrempeln könnte. Die Verwendung der Sprachsuche mittels Smartphone steht bei Usern zwar noch in den Kinderschuhen, könnte aber mit zunehmender Nutzung einen großen Einfluss auf die Suchmaschinenoptimierung haben.

 

Was ist Voice Search?

Unter Voice Search versteht man die Suche nach bestimmten Informationen mittels Spracheingabe. Dabei spricht der Nutzer eines Smartphones eine spezifische Frage in einen digitalen Sprachassistenten. „Ok, Google. Wo finde ich den nächsten Italiener?“ könnte eine potentielle Frage lauten. Die Umsetzung der Anfragen läuft dabei über komplexe Spracherkennungsprogramme, die die Fragen analysieren und aus einer bestehenden Datenbank, dem Index, die bestmöglichen Antworten per Sprachausgabe ausliefern. Zu den bekanntesten Sprachassistenten zählen Alexa von Amazon, Siri von Apple, der Google Assistent und Cortana von Microsoft.

 

Wie bewerten SEOs den neuen Trend?

Die Nutzung von Voice Search und die Kommunikation mit digitalen Sprachassistenten scheint kaum aufzuhalten sein. Die Technologien werden im Zuge größerer Investitionen in Forschungsprojekte und dem Fortschritt von künstlicher Intelligenz immer besser. Dadurch schaffen es Siri und Co., die Fragen der User immer konkreter zu beantworten. Diese Entwicklung ist auch für Suchmaschinenoptimierer sehr wichtig, da sie das Umfeld und die Rahmenbedingungen der Optimierungen verändern könnte.

 

Bei einer Umfrage im Jahr 2016 mit 39 SEO-Experten wurde gefragt, welche Trends für 2017 entscheidend werden. Nach der mobilen Nutzung von Websites, dem Content einer Seite kam die Voice Search an dritter Stelle. Damit scheint das Thema bereits in der Branche angekommen zu sein. Doch welche konkreten Veränderungen werden aller Voraussicht nach eintreten und mit welchen Maßnahmen können SEOs darauf reagieren?

 

Mehr mobiler Traffic

Die Sprachsuche ist zwar mittlerweile auch auf dem klassischen Desktop möglich, doch die meisten User kommunizieren per Smartphone mit den digitalen Sprachassistenten. Dies hat zur Folge, dass immer mehr Nutzer per Smartphone auf die Website gelangen und dort nach den gesuchten Informationen suchen. Die Traffic-Verteilung könnte sich daher noch einmal in Richtung „Mobile“ und weg vom Desktop bewegen.

 

Für SEOs bedeutet dies, dass Webseiten mobil ausgerichtet werden müssen. Webseiten sollten natürlich schon jetzt „mobile friendly“ sein, aber mit der zunehmenden Nutzung könnten responsive Seiten noch wichtiger werden. Zudem wird die Usability – also wie der Nutzer auf dem Smartphone mit der Seite interagiert – noch stärker in den Fokus geraten. Seiten, die Unmengen an Text anbieten, aber nur wenig relevante Informationen zum gesuchten Thema, könnten künftig Probleme bekommen.

 

Schnelle Ladezeiten

Die Seitenladegeschwindigkeit spielt natürlich schon jetzt eine große Rolle und beeinflusst das Ranking in den Suchergebnissen. Mittels der Sprachsuche könnte der Rankingfaktor zusätzlich an Wichtigkeit gewinnen. User, die gerade eine Anfrage per Sprache gestartet haben, erwarten eine Antwort, die nicht lange auf sich warten lässt. Dementsprechend werden die Informationen von Webseiten gezogen, die eine kurze Ladezeit haben. Die Pagespeed-Optimierung sollte daher auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil der Suchmaschinenoptimierung sein.

 

Längere Suchbegriffe

Nutzer suchen per Sprache anders als per Eingabe auf der Tastatur. Während User eher schreibfaul sind und wenige kurze Begriffe bei Google eingeben, sieht das im Bereich Voice Search anders aus. Hier werden längere Suchphrasen gesprochen. Das bedeutet, dass der Content der Webseiten nicht mehr nur auf wenige Short Tail Keywords optimiert werden sollte, sondern noch mehr Fokus auf Long Tail Keywords setzen sollte.

 

Konkrete Fragen beantworten

Die Kommunikation zwischen Nutzern und Sprachassistent findet vor allem in Form von Fragen und der Ausgabe der entsprechenden Antworten statt. Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass Fragen immer wichtiger werden. Während bei der manuellen Eingabe Keywords wie „Pizzeria Berlin“ eingegeben werden, könnte die Sprachsuche eher so lauten: „Wie komme ich zur nächsten Pizzeria in Berlin?“.

 

Suchmaschinenoptimierer müssen sich daher mit den konkreten Fragen der Nutzer beschäftigen, diese analysieren und entsprechende Antworten darauf liefern. Dies könnte beispielsweise in Form von FAQ-Seiten stattfinden.

 

Die Seitenstruktur und der Content muss auf dieses neue Suchverhalten angepasst werden. Es reicht nicht mehr nur aus, die Frage irgendwo im Content zu „verstecken“. Optimal wäre es, wenn es zu jeder konkreten Frage bzw. zu jeder Fragengruppe eine eigene Seite auf der Website gibt, die genau das Themengebiet behandelt.

 

Die Google Answer Box gewinnt

Seit einiger versucht Google, die Fragen seiner User direkt – also ohne Umwege auf eine Website – in den Suchergebnissen zu beantworten. Aus diesem Grund wurde die Google Answer Box entwickelt. Gibt ein User eine einfache Frage zu einem Thema bei Google ein, so erscheint ihm an oberster Stelle die passende Antwort. Die ausgelieferten Antworten erfolgen meist nach der Eingabe einer bestimmten W-Frage.

 

Beispielsweise könnte der Suchende danach fragen, was ein Hammer ist. Auch bei der Sprachsuche werden meist konkrete Fragen gestellt. Gibt es zur Sprachsuche einen Eintrag in der Google Answer Box, dann greift Apples Siri häufig darauf zurück. Der Eintrag, der in der Answer Box erscheint, gewinnt also, während alle anderen Suchergebnisse keine Beachtung finden. Für Suchmaschinenoptimierer bedeutet dies, den Content einer Website vermehrt so zu strukturieren, dass die Chancen auf einen Eintrag in der Answer Box steigen.

 

Local SEO wird noch wichtiger

Sprachsuchen erfolgen häufig von Nutzern, die nach einer Dienstleistung, einem Gastronomiebetrieb oder einem Händler in der direkten Nähe zum aktuellen Standort suchen. Dementsprechend spielt auch das Thema „Local SEO“ eine entscheidende Rolle für die Voice Search. Unter „Local SEO“ versteht man die Optimierung einer Website mit Bezug zu einer Region, einer Stadt oder sogar einem Stadtteil. Sucht ein User also per Sprachassistent nach einem „Friseur in meiner Nähe“, dann wird ihm ein Friseur ausgegeben, der nach Ansicht des Algorithmus die höchste Relevanz besitzt.

 

Um für einen Ort relevant zu sein, müssen Suchmaschinenoptimierer einige Maßnahmen ergreifen. Der wichtigste Faktor dabei ist ein Eintrag in Google My Business. Es ist bekannt, dass sich vor allem Google relevante Informationen aus dem Eintrag herauszieht und die Rankings der lokalen Suchergebnisse daran bestimmt. Der My Business Eintrag sollte natürlich gepflegt werden, einige Fotos besitzen und am besten viele positive Bewertungen erhalten.

 

Im Bereich der Onpage-Optimierungen im Bereich Local SEO sollte klar hervorgehen, auf welches geographische Gebiet sich die Dienstleistung bezieht. Natürlich wird die Adresse bereits im Impressum angegeben. Allerdings sollten beispielsweise Friseure in Wien darauf achten, dass sie den Stadtnamen – besser noch den Namen des Stadtteils – auch im Seitentitel, der H1-Überschrift und im Text erwähnen. Dadurch steigt die Relevanz der Seite im Bezug zum Ort.

 

Schema.org spielt eine Rolle

Vor allem in Verbindung mit der lokalen Suchmaschinenoptimierung wird die Auszeichnung mit Schema.org im Bereich der Voice Search wichtiger werden. Eine lokale Firme kann per schema.org/LocalBusiness relevante Unternehmensdaten kennzeichnen. Der Firmenname, die korrekte Anschrift und die Telefonnummer werden so noch strukturierter an die Suchmaschine übermittelt.

 

Fazit: SEOs müssen sich auf die Sprachsuche einstellen

Voice Search wird immer wichtiger und Suchmaschinenoptimierer müssen sich auf die kommenden Entwicklungen einstellen. Vor allem im Bereich der Onpage-Optimierung müssen SEOs konkrete Antworten auf ganze Fragen liefern können. Webseiten, die es schaffen, die wichtigsten Informationen gut strukturiert und nutzerfreundlich zu liefern, werden Vorteile im Ranking und der Sichtbarkeit besitzen.

 

Über den Autor

Der Autor Jan Krösche arbeitet für die Online Marketing Agentur „MADMEN Onlinemarketing GmbH“ aus Wolfratshausen. Das Unternehmen berät als Agentur für Suchmaschinenoptimierung kleine und mittelständische Unternehmen in den Bereichen SEO und SEA.

 

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