800 Seiten intime Geheimnisse

14.06.2018 - Michael Kornfeld

Tinder ist eine bekannte und beliebte Dating-App - man lernt damit neue Freunde kennen, kann sich unterhalten, Bekanntschaften machen. Über 50 Millionen User weltweit nutzen inzwischen diesen Dienst des amerikanischen Unternehmens. So weit, so unspektakulär.

 

Doch die wenigsten machen sich wohl Gedanken darüber, welche Informationen sie damit über sich preisgeben - und dass Tinder all diese Informationen sammelt und speichert. Doch was passiert mit diesen - teils sehr intimen und geheimen - Daten?

 

Judith Duportail, eine Journalistin bei der englischen Zeitschrift "Guardian", war eine dieser Nutzer von Tinder. Eines Tages tat sie etwas, auf das jeder Nutzer nach den europäischen Datenschutzgesetzen ein Recht hat: Sie begehrte Auskunft über die Daten, die Tinder über sie speichert.

 

Hunderte Seiten vertraulicher Informationen

Was sie von Tinder bekam, überraschte sie sehr: Rund 800 Seiten mit ihren Daten. Dort fand sie alles, was sie auf Tinder jemals gemacht hatte: Alle Likes, alle Chats, Bewertungen, hochgeladenene Fotos - und vieles mehr.

 

Doch es gab auch weitere Informationen wie die Anzahl der Facebook-Freunde oder die Alterskategorie der Männer, für die sie sich interessiert hatte. Tinder weiß, ob sich Judith eher für blonde oder schwarzhaarige Männer interessiert (oder ob sie mehr auf Frauen steht), wie lange sie im Durchschnitt das Foto eines Kontakts ansieht bevor sie es weg-wischt, welche Wörter sie am häufigsten verwendet oder zu welchen Uhrzeiten sie sich am häufigsten einloggt.

 

Was passiert mit den Daten?

Ihr Resume? "The dating app knows me better than I do."

 

Dabei stellt sich natürlich die Frage: Was macht Tinder mit diesen Daten? Was wäre, wenn diese - teils sehr privaten und intimen - Informationen öffentlich würden? Oder gar verkauft würden?

 

Die Datenschutz-Erklärung von Tinder sagt klar, dass die Daten für "zielgerichtete Werbung" verwendet kann. Und im Vorwort zu den Nutzungsbedingungen heißt es: "You should not expect that your personal information, chats, or other communications will always remain secure."

 

Das ist zwar ehrlich, aber wohl auch beunruhigend. Denn bei Tinder & Co. geht es ja nicht nur um ein paar Stammdaten, die ein Newsletter-System speichert - es geht um hoch-private, teils wohl auch intime und vielfach vertrauliche Informationen über Millionen von Menschen.

 

Die DSGVO stärkt die Betroffenen-Rechte

So sehr über die DSGVO geschimpft wird - sie brachte einige wichtige Neuerungen, die den Schutz der Privatsphäre europäischer Bürger deutlich stärken - auch gegenüber Unternehmen, die ihren Sitz außerhalb der EU haben. Dazu gehört das Recht auf Auskunft, aber auch das Recht auf Berichtigung und das Recht auf Löschung von Daten.

 

All das ist weit davon entfernt, ein perfekter Schutz zu sein - doch die DSGVO (und die hohen Strafen, die darin drohen) stärkt zumindest das Bewusstsein für die Wichtigkeit von Datenschutz.

 

Doch der beste Schutz ist wohl, solche Daten gar nicht erst preis zu geben - bzw. sehr selektiv zu sein (und sich bewusst zu machen), wem man seine privaten Daten anvertraut.

 

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