Privacy-freundliche Suchmaschinen: Vier Alternativen zu Google

16.08.2018 - Silke Mimlich

Der Ruf nach mehr Privatsphäre im Internet wird immer lauter. Davon sind nicht nur soziale Netzwerke wie Facebook betroffen. Es geht auch um mehr Datenschutz beim ältesten Webservice schlechthin: den Suchmaschinen. Wir haben uns vier privacy-freundliche Alternativen zu Google & Co angesehen.

 

Mit Inkrafttreten der DSGVO hat das Thema Datenschutz sicherlich seinen bisherigen Höhepunkt erreicht. Viele Unternehmen haben in diesem Bereich nachgebessert. Doch gerade bei den Such-Diensten großer Anbieter werden immer noch fleißig Daten gesammelt und (temporär) gespeichert – trotz Inkognito-Modus (wie futurezone.de berichtet). Bereits in den letzten Jahren wurden einige neue Suchmaschinen entwickelt, die sich den umfassenden Schutz der Privatsphäre zum Ziel gesetzt haben.

 

DuckDuckGo – Die Suchmaschine, die Sie nicht verfolgt

„Holen Sie sich Ihre Privatspähre zurück!“ lautet das Motto der US-amerikanischen Suchmaschine, die seit 2008 seine Dienste mit eigenem Index anbietet. Das Versprechen: Kein Tracking, keine zielgerichtete Werbung, einfach nur Suchen. Nachdem der Suchverlauf nicht aufgezeichnet wird, können die User auch nicht mit Werbeanzeigen verfolgt werden.

 

DuckDuckGo kann auch als Erweiterung für den Browser installiert werden. Mit dem letzten Update wurde die App zu einem umfassenden Privacy-Tool ausgebaut (nachzulesen auf derStandard.at): mit Infos zu Trackern (die im Hintergrund arbeiten) und Privacy-Bewertungen zu besuchten Webseiten („Vertrauenswert“).

Zu DuckDuckGo.com

 

Qwant – Die Suchmaschine, die Ihre Privatsphäre respektiert

Qwant ist die erste unabhängige (und laut eigenen Angaben auch bisher einzige) Suchmaschine Europas – mit eigenem Index und innovativer Such-Technologie. Das heißt auch, dass Daten generell in Europa bleiben und nicht in die USA übertragen werden!

 

Das Versprechen von Qwant stützt sich auf zwei Säulen: 1. „Respektieren der grundlegenden Rechte“ auf Privatsphäre und Freiheit der eigenen Vorhaben (z.B. keine Sammlung persönlicher Daten bei Suchanfragen, keine Speicherung von historischen Suchverläufen oder Cookies Dritter, Verschlüsselung von Anfragen). 2. „Der Welt einen unverzerrten und umfassenden Blick auf das Netz ermöglichen“ (z.B. ohne Filterblasen bzw. Einschränkungen zu Webseiten oder Inhalten).

 

Weitere spannende Features: Personalisierung über einen eigenen Account, Notiz- und Bookmark-Funktion (Qwant Boards), Version speziell für Kinder ohne Werbung usw. (Qwant Junior), Suche nach Musik-Content (Qwant Music).

 

Allerdings wirft das System noch einige Kritikpunkte auf, wie onlinewarnungen.de in einem Interview feststellt. Qwant kommt nicht ganz ohne Cookies aus (für eigene Dienste notwendig), es werden Werbeanzeigen eingeblendet (allerdings auf Basis der Suchanfrage und nicht des Nutzerverhaltens) und die Suchergebnisse (aus dem eigenen Index) kommen noch nicht an die Qualität von Google heran.

Zu Qwant.com

 

StartPage – Die diskreteste Suchmaschine der Welt

StartPage bietet "aktuelle Google-Suchergebnisse kombiniert mit wasserdichtem Privatsphäre-Schutz." Als sogenannte Meta-Suchmaschine besitzt sie keinen eigenen Index, sondern leitet die Suchanfrage an Google weiter.

 

Die so gefundenen Google-Ergebnisse werden gesammelt und neu sortiert. StartPage unterbindet unter anderem, dass Suchbegriffe für personalisierte Werbung genutzt werden und löst dabei auch die bekannten Filterblasen auf.

 

Als europäisches zertifiziertes Unternehmen achtet StartPage strikt auf die hohen Datenschutzbestimmungen, wie auf computerbild.de veröffentlicht. Es werden keine IP-Adressen aufgezeichnet, identifizierende Cookies eingesetzt oder persönliche Daten gesammelt – und für den Suchmaschinen-Giganten Google bleibt der User völlig unsichtbar.

 

Ein wichtiger Nachteil: StartPage ist von Google abhängig und kann seinen Service nur solange anbieten, solange Google auch den Zugriff auf die Suche gewährt.

Zu Startpage.com

 

Unbubble – Neutrale, anonyme Suchmaschine aus Europa

Unbubble ist eine deutsche Meta-Suchmaschine ohne Datenspeicherung. Das Ziel: die Filterblase platzen lassen und möglichst neutrale Suchergebnisse liefern.

 

Die Suchanfragen werden hier nicht an Google weitergereicht, sondern es werden viele andere Quellen genutzt, wo Web-Seiten und -Inhalte auch indiziert sind – wie z.B. andere Web-Suchmaschinen, Online-Zeitungen, große Marktplätze, Ratgeber-Portale, Bilder-Suchmaschinen und natürlich die Wikipedia. Neben der Such-Neutralität steht bei Unbubble auch der Datenschutz an oberster Stelle. Es werden keine persönlichen Daten erhoben, Nutzerstatistiken erstellt oder das Verhalten der Nutzer analysiert.

 

Eine Besonderheit: Unbubble wir mit Ökostrom in Deutschland gehostet.

Zu Unbubble.eu

 

Fazit: Warum verwenden Sie eigentlich noch Google?

Es mag zwar sein, dass „googeln“ seit 2004 im Duden als Begriff für „(mit Google) im Internet suchen, recherchieren“ nachzuschlagen ist. Aber Google Search ist schon lange nicht mehr das einzige (brauchbare) System für die Web-Suche. Wer auf Datenschutz und Privatsphäre Wert legt, findet bei zahlreichen anderen Anbietern eine entsprechende Alternative.

 

Tipp: Weitere Möglichkeiten finden Sie übrigens bei den 30 besten Suchmaschinen im Kurztest von t3n.

 

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