Wie Sie Fake-Bewertungen erkennen und vermeiden

02.08.2018 - Michael Kornfeld

Bewertungen auf Shopping-Portalen wie Amazon & Co. sind für die allermeisten Käufer wohl eine wichtige Entscheidungshilfe. Da man bei vielen Suchen mit einer Vielzahl von passenden Produkten konfrontiert ist und die Alternativen meist sehr vergleichbar sind, stellen Bewertungen einen wichtigen – und oft entscheidenden - Faktor für die Kaufentscheidung dar.

 

Doch: Wie authentisch und "echt" sind diese Rezensionen? Wie sehr darf und kann man sich darauf verlassen? Wie viele der Bewertungen sind manipuliert oder gar gefaked?

 

Wir haben eine ganze Reihe von Tipps zusammengestellt, wie Sie echte von unechten Rezensionen unterscheiden können.

 

Tipp 1: Die Anzahl macht’s aus

Achten Sie darauf, dass es mehr als eine Handvoll Bewertungen für das Produkt gibt. Grundsätzlich gilt: Je mehr, desto besser.

 

Denn eine große Anzahl von Fake-Reviews lassen sich nur mit einem entsprechend hohen Aufwand erstellen – und das zahlt sich für viele Unternehmen glücklicherweise oft nicht aus, insbesondere bei niedrig-preisigen Produkten. Außerdem ist eine hohe Anzahl an Bewertungen oft ein Indikator für ein reges Produktinteresse.

 

Tipp 2: Nichts ist ausschließlich positiv

Wenn so gut wie alle Bewertungen positiv sind, dann ist Vorsicht geboten – insbesondere dann, wenn der gute Durchschnittswert nur auf wenigen Stimmen basiert.

 

Denn kein Produkt dieser Welt kann die Erwartungen von allen Menschen erfüllen – Kritiker gibt es immer.

 

Das gilt nicht nur für den Durchschnittswert aller Rezensionen, sondern auch für die einzelnen Bewertungen: Wenn viele Personen ausschließlich lobende Worte und kein einziges Haar  der Suppe finden, dann ist das entweder ein wirklich großartiges Produkt – oder es ist vielleicht mit den Bewertungen etwas faul.

 

Tipp 3: Auf Kennzeichnungen achten

Seriöse Bewerter geben gleich zu Beginn ihrer Bewertung an oder kennzeichnen den Artikel entsprechend, wenn sie das Produkt (kostenlos) zur Verfügung gestellt bekommen haben oder ein anderes Naheverhältnis zu dem Produkt bzw. dem Unternehmen haben.

 

Bei Amazon gibt es beispielsweise das „VINE“ Programm, über das Unternehmen ihre Produkte kostenlos zur Verfügung stellen können, um dafür eine – natürlich möglichst positive – Bewertung zu bekommen. Solche Bewertungen sind bei Amazon mit dem Hinweis „VINE Rezension“ gekennzeichnet.

 

Eine VINE Rezension bedeutet natürlich nicht automatisch, dass der Bewerter das Produkt zu wenig objektiv und damit zu positiv bewertet – doch die Kennzeichnung kann man bei der Beurteilung der Rezension im Hinterkopf behalten.

 

Ebenfalls sehr nützlich ist die Kennzeichnung als „verifizierter Kauf“, den es zum Beispiel bei Amazon gibt. In diesem Fall kann nur dann jemand eine Bewertung abgeben, der das Produkt gekauft hat. Auch das ist natürlich kein 100%iger Gradmesser für Objektivität, denn das Unternehmen kann den Kaufpreis ja intern an den Käufer überwiesen haben – aber ein tatsächlicher Käufer ist vermutlich wesentlich besser in der Lage, das Produkt auch wirklich zu beurteilen.

 

Tipp 4: Die Bewerter bewerten!

Bei vielen Plattformen kann man mittlerweile auch die Bewerter selber bewerten – also angeben, wie hilfreich (oder nicht) man die Bewertung fand. Das ist kein Allheilmittel gegen Fake-Rezensionen, aber doch meist ein sehr gutes Mittel, um seriöse Bewerter von den unseriösen zu unterscheiden.

 

Ein weiteres Merkmal ist dabei auch die Anzahl der Rezensionen, die der jeweilige Bewerter überhaupt verfasst hat: War es nur einige wenige? Oder hat er / sie schon Hunderte Bewertungen verfasst? Ein kurzer Blick in das Profil des Bewerters (einfach auf den Namen klicken) schafft hier schnell Klarheit.

 

Tipp 5: Bewertungen vergleichen

Ein ganz einfaches – und schnelles – Instrument, um die Bewertungen eines Produktes zu qualifizieren, ist die Rezensionen auf einer anderen Plattform als schnelle Referenz zu verwenden. Also den Produktnamen kopieren, auf einer anderen Plattform danach suchen und überprüfen, ob die Bewertungen dort ähnlich ausfallen.

 

Wenn es dabei große Diskrepanzen gibt, sollten die Alarmglocken schrillen.

 

Tipp 6: Länge der Rezension

Ein weiterer Gradmesser für die Qualität einer Rezension ist oft die Länge. Das bedeutet natürlich nicht, dass eine ellenlange Bewertung immer hilfreicher ist als eine kurze – doch bei einer längeren Beschreibung hat sich der Bewerter mehr Zeit genommen (die bei Fake-Rezensionen, die normalerweise pauschal eingekauft werden, nicht abgegolten wird) und ist das Feedback oft ausgewogener als bei einem Zweizeiler.

 

Tipp 7: Zeitraum (und Alter) der Bewertungen

Achten Sie auch darauf, wie alt die Bewertungen sind und innerhalb welchen Zeitraumes die meisten abgegeben wurden. Wenn es eine sehr hohe Anzahl an Rezensionen gibt, die in sehr kurzer Zeit abgegeben wurden, deutet das auf Fake-Reviews hin, die entweder automatisch generiert wurden oder für die von einem Auftraggeber bezahlt wurde.

 

Tipp 8: Rechtschreibung und Grammatik

Ja, auch das ist durchaus ein Indikator für die Qualität einer Bewertung! Denn Fake-Bewertungen werden meist von gering-qualifizierten (sehr günstigen) Arbeitskräften im Schnellmoduls geschrieben – wenn es viele solcher Bewertungen gibt, die viele grammatikalische oder Rechtschreibfehler enthalten, dann sollte man diese Rezensionen mit Vorsicht genießen.

 

Tipp 9: Stichproben lesen

Ein Durchschnittswert oder eine Sternchen-Leiste ergibt noch kein vollständiges Bild. Denn es kommt immer wieder auf die Zusammenhänge an, die mitunter das Gesamtbild stark beeinflussen können.

 

Ein Beispiel: „Von mir gibt es für den Wohnzimmertisch 2 Sterne – er ist zwar super, passt aber nicht in meinen Kleinwagen hinein, sonst wären es 5 Sterne.“

 

Es verwundert immer wieder, dass oberflächliche Bewerter Punkte an einem Produkt kritisieren, die in der Produktbeschreibung explizit ausgenommen sind, oder die sie ohne einen Blick in das Handbuch einfach nicht verstanden haben. Dann kommt es zu schlechteren Bewertungen als eigentlich gerechtfertigt wäre.

 

Fazit: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Die Bewertungen sind in vielen Fällen ungemein hilfreich und eine sehr wertvolle Entscheidungshilfe. Doch blind auf die Objektivität vertrauen kann man leider nicht.

 

Eine ganz einfache „goldene Regel“, um unseriöse oder gar Fake-Rezension zu erkennen, gibt es leider nicht. Doch wenn man sich nicht nur die Anzahl der Sternchen oder die Durchschnittsnote ansieht, sondern einen kurzen tiefergehenden Blick wagt, kann man relativ schnell feststellen, wie hilfreich die Bewertungen schlussendlich für die eigene Entscheidung sind.

 

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