Der Unsinn mit den One-Pagern

12.12.2019 -

Man nennt sie One-Pager oder Single Page Websites und sie sind sehr in Mode: Lange Seiten, die alle Inhalte zu einem Produkt, einer Dienstleistung oder einem Thema der Reihe nach auflisten. Um zu navigieren, muss der Leser nur scrollen.

 

Zugegeben: Es gibt durchaus ein paar Vorteile. Aber in Summe sind One-Pager eine ziemlich dämliche Idee. Egal, wie schön Ihre Agentur diese auch finden mag. Hier eine Begründung.

 

Vorteile von One-Pager

Natürlich haben One-Pager durchaus auch ein paar Vorteile.

  • linear: Die Botschaften können in einer logischen Reihenfolge präsentiert werden, da der Leser sie der Reihe nach konsumieren muss.
  • strukturiert: Die Reihenfolge sorgt für eine Struktur und man kann den Leser so gezielt zu der Conversion „führen“ (Stichwort „Storytelling“).
  • nur scrollen: Der Leser muss nur scrollen und nicht klicken – das ist vermeintlich einfacher für die User.
  • Ladezeit: Wenn die Seite einmal geladen wurde, gibt es beim Blättern keine weitere Verzögerung (wie das bei einem Klick auf eine Unterseite der Fall wäre).
  • einfache Einrichtung: Da es sich um eine einzelne Seite handelt, kann ein One-Pager einfach aufgebaut werden – je nach Anforderung auch ohne ein CMS (Content-Management System).
  • fertige Tools: Es gibt hier mehrere Anbieter und Tools, über die man Landing-Pages einfach, schnell und kostengünstig erstellen kann.

 

Doch diesen Vorteilen steht eine ganze Reihe von Nachteilen gegenüber.

 

Schlecht für SEO

Für Suchmaschinen-Optimierung (SEO) sind One-Pager alles andere als ideal:

  • Erstens kann die Suchmaschine bei einem One-Page nur eine einzige Seite indizieren (deshalb heißt das Ding auch One-Pager); wenn man den gleichen Inhalt auf mehrere Seiten aufteilen würde, könnten Google & Co. auch mehrere Seiten indizieren – und damit steigt auch die Chance, bei passenden Suchanfragen gefunden zu werden.
  • Zweitens sind die Ladezeiten durch die Länge des Inhalts meist schlecht; das wird von den Suchmaschinen mit Minuspunkten bewertet.
  • Und drittens gibt es auf einem One-Pager viele unterschiedliche Inhalte; da fällt es den Suchmaschinen manchmal schwer, die semantischen Zusammenhänge zu erkennen, was sich auch negativ auf die Platzierung auswirken kann.

 

Lange Ladezeiten

Da sich alle Inhalte auf einer einzigen Seite befinden, oftmals mit vielen Bildern, Videos, Infografiken usw., sind die Ladezeiten normalerweise verhältnismäßig lange. Das nervt nicht nur die Besucher, sondern wirkt sich auch nachteilig auf SEO (siehe oben) aus.

 

Schlechte Orientierung

Gerade bei langen One-Pagern fallen den Besuchern die Orientierung und das Wiederfinden von wichtigen Passagen oft schwer. Wie soll man beispielsweise einem Kollegen mitteilen, wo er relevante Infos findet? („Scroll ca. 7 Mal runter, dann rechts bei dem großen Pfeil“).

 

Katastrophal für Smartphones

Die Länge der Inhalte, die fehlende Struktur und die langen Ladezeiten führen oft dazu, dass One-Pager auf Smartphones nahezu unbedienbar sind. Mobile Conversion-Orientierung sieht jedenfalls anders aus.

 

Problematisches Tracking

Die Aufrufe von One-Pagern sind mit den Bordmitteln von Google Analytics zwar messbar, nicht aber beispielsweise die Verweildauer! Denn eine Dauer kann nur berechnet werden, wenn es auch einen Endpunkt gibt; wenn der Besucher auf dem One-Pager aber kein Formular ausfüllt oder eine andere Aktion ausführt, die zu einem weiteren Seitenaufruf führt, gibt es diesen zweiten Zeitstempel nicht – und damit auch keine Verweildauer.

 

Außerdem ist die Bounce-Rate (Absprungrate) bei einem One-Pager naturgemäß nahezu 100%. Denn alle Aufrufe des One-Pagers, die nicht zu einem zweiten Seitenaufruf führen, werden als Bounce gezählt.

 

Das ist nicht per se negativ, das liegt in der Natur der One-Pager. Doch bei der Gesamtanalyse einer Website wird oft darauf vergessen – und die One-Pager treiben die gesamt-durchschnittliche Absprungrate der Website in die Höhe.

 

Aufwändiges Design und Produktion

One-Pager orientieren sich normalerweise nicht an den bestehenden Seiten der Website, sondern oft wird für sie ein eigenes Design entwickelt. Das ist auch gut so, denn so lange Seiten müssen anders aufgebaut werden als „normale“ Seiten, will man den Besucher nicht auf den ersten Bildschirmseiten gleich wieder verlieren.

 

Doch ein abweichendes Design führt normalerweise zu einem höheren Aufwand auf Seiten der Agentur und auch einem deutlichen Mehraufwand bei der HTML-Produktion.

 

Oft führt das auch dazu, dass One-Pager nicht in das bestehende CMS eingebunden werden und daher für die Redakteure nicht über die gewohnte Benutzeroberfläche verwaltet werden können.

 

Fehler bei der Conversion-Orientierung

Bei One-Pagern werden oft grundlegende Fehler bei der Usability und der Conversion-Orientierung gemacht.

 

So werden die Call-to-Actions (Buttons) oft nur ganz oben und ganz unten platziert. Doch was soll ein Besucher machen, der ein- zwei-mal runter gescrollt hat, ohne aber bis zum Ende weiter zu lesen?

 

Fazit: One-Pager wollen gut überlegt sein

Natürlich gibt es Anforderungen, wo ein One-Pager sinnvoll ist, wenn man dabei wichtige Grundprinzipien berücksichtigt.

 

Doch man sollte sich – oder der Agentur – selbstkritisch die Frage stellen: Macht ein One-Pager für die aktuelle Aufgabenstellung wirklich Sinn? Überwiegen die Vorteile die (vielen) Nachteile? Oder wird der One-Pager nur deshalb gemacht, weil es alle anderen machen – oder es der Designer „cool“ findet?

 

Am Ende des Tages geht es um die Conversion. Ob ein One-Pager tatsächlich das beste Mittel ist, um dieses Ziel zu erreichen, sollte man sich also gut überlegen.

 

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