Ihre Apps wissen, wo Sie sind! Und verkaufen die Daten.

30.04.2019 - Michael Kornfeld

Die New York Times hat einen genialen Artikel veröffentlicht, dem ein beeindruckendes Experiment zu Grunde liegt.

 

Sie wissen vermutlich, dass Ihr Smartphone auch Ihren Standort an Google, Apple und viele Apps überträgt (z.B. Anbieter von Wetter-Apps). Doch diese Daten werden ja nur anonymisiert verwendet und erlauben daher keine Rückschlüsse auf individuelle Personen – so wird es jedenfalls immer wieder behauptet.

 

Doch stimmt das auch? Die New York Times hatte Zugriff auf solche rein anonymen Standort-Daten. Und schaffte es – mit überschaubarem Aufwand – das Leben einer ganz individuellen Person im Detail nachzuzeichnen (natürlich geschah die Veröffentlichung in dem Artikel mit deren Zustimmung).

 

Manchmal wurde alle zwei Sekunden (!) der Standort von Lisa Magrin, einer Lehrerin für Mathematik, durch Apps auf ihrem Smartphone übertragen und diese Daten dann verkauft – ohne ihr Wissen.

 

Der NYT gelang es damit, einen Großteil ihres Lebens nachzuzeichnen: Dass sie regelmäßig zu den Weight Watchers ging, einen Termin bei einem Dermatologen hatte (und wie lange) oder ihren Ex-Freund besuchte. Wie oft sie ins Fitnessstudio ging, wann sie zum Flughafen unterwegs war oder wie oft sie wandern war.

 

Tolle Visualisierungen

Der Artikel ist nicht nur inhaltlich interessant, er ist außerdem visuell sehr gut gemacht und auch deshalb überaus lesenswert. Man kann förmlich zusehen, wie sich die verschiedenen Standort-Punkte zu einem Tagesablauf nach und nach zu einem Profil ergänzen!

 

«It’s very scary», sagte eine andere Dame, die mit den Ergebnissen der Analyse der NYT  konfrontiert wurde, «It feels like someone is following me, personally.»

 

Und was lernen wir daraus?

Um ehrlich zu sein: Es ist wohl für uns Normalsterbliche so gut wie unmöglich, keinerlei Daten preiszugeben. Allerdings gibt es sehr wohl eine Reihe von Maßnahmen, durch die man sich schützen kann – zum Beispiel nicht allzu leichtfertig jeder App Zugriffe zu erlauben, die diese App eigentlich gar nicht benötigen würde.

 

Tipp: Bei aktuellen Android-Versionen kann man über die System-Einstellungen den Apps auch im Nachhinein bereits gewährte Berechtigungen wieder entziehen! Das dauert nur ein paar Minuten und geht ganz einfach – machen muss man es nur.

 

Übrigens hat die NYT auch einen interessanten Artikel zu diesem Thema geschrieben: «How to Stop Apps From Tracking Your Location

 

Lesetipp: Analyse des Google Standortverlaufs
Wenn Sie ein weiteres spannendes Beispiel zu dem Thema lesen möchten, auch wenn es bereits etwas älter ist (aber dadurch nicht weniger beängstigend): Der Grünen-Politiker Malte Spitz hat bereits 2009 von der deutschen Telekom sechs Monate seiner Vorratsdaten eingeklagt und der „Zeit Online“ zur Verfügung gestellt – und die haben damit sein Verhalten analysiert. Auch hier ist die Visualisierung beeindruckend und spannend!

 

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