ORF.at hat es wirklich getan und Facebook verlassen

06.05.2019 - Silke Mimlich

Facebook kommt in den letzten Monaten kaum aus den Negativschlagzeilen heraus: Datenlecks, ein eigenwilliger Algorithmus und die Anfälligkeit für (politische) Manipulation sorgen für einen drastischen Image-Abbau. Das hat auch den ORF bewogen, seine Facebook-Auftritte zu überdenken und per 1. April 2019 das soziale Netzwerk mit seiner ORF.at-Seite zu verlassen.

 

Skandale bringen Facebook in Bedrängnis

Mit dem Datenskandal im Frühjahr 2018 ist Facebook erheblich ins Straucheln gekommen. Sie erinnern sich: Facebook hatte unerlaubterweise Millionen (!) Userdaten mit Cambridge Analytica geteilt. Die britische Datenanalysefirma konnte damit unter anderem eine wertvolle Datenbank anlegen, die im Trump-Wahlkampf genutzt worden sein soll.

 

Bereits damals hatten auch namhafte Unternehmen zum Verlassen von Zuckerbergs Plattform aufgerufen (#deletefacebook) oder auch selbst verlassen – wie z. B. Elon Musk, der die Tesla-Facebook-Seite vom Netz genommen hat.

 

ORF entzieht Facebook das Vertrauen

Der ORF hatte 2018 ohnehin beschlossen, seine Social-Media-Ressourcen zu bündeln und die Facebook-Auftritte zu reduzieren. Seit dem Start der ORF.at-Facebook-Seite am 5. Dezember 2017 haben sich so viele Faktoren geändert, die ein Überdenken der Social-Media-Strategie erforderlich machten. Darüber hinaus habe man beim ORF nun aber auch endgültig die Hoffnung begraben, dass sich bei Facebook einiges zum Positiven verändern würde.

 

Immer mehr negative Entwicklungen in den vergangenen Monaten lassen das Vertrauen in das soziale Netzwerk sinken:

 

  • Facebook schaffe es nicht, Hass und Gewalt in den Griff zu bekommen
  • Offenbar aussichtsloser Kampf gegen politische Manipulation durch die Verbreitung von «Fake News»
  • Algorithmusänderungen und das Schrumpfen der «organischen Reichweite»
  • Zunahme der (negativen) Emotionalisierung

 

Klare Entscheidung: Keine Werbegelder für einen direkten Konkurrenten

Da ORF.at mit seiner gewählten Content-Strategie (geteilte Links und keine auf Facebook hochgeladene und damit „verschenkte“ Bilder und Videos) nur mehr eine geringe Reichweite erzielte, stellte sich der ORF letztlich auch die Kosten-Nutzen-Frage. Und eines war klar: Als öffentlich-rechtlicher Anbieter kamen Werbezahlungen (zum Pushen der Beiträge) an den auch direkten Werbekonkurrenten Facebook nicht in Frage.

 

«Dass Facebook darauf sein Geschäftsmodell aufbaut und Reichweite verkauft, ist einem kommerziell ausgerichteten Konzern an sich nicht vorzuwerfen. Aber das Netzwerk ist damit eben keine neutrale Plattform», heißt es schließlich auf ORF.at.

 

Und damit ist auch der letzte Vorhang für ORF.at auf Facebook gefallen.

 

Update (06.05.2019): Auch die Bank Austria und ihr italienischer Mutterkonzern Unicredit werden ab 1. Juni 2019 nicht mehr auf Facebook vertreten sein. Bereits im letzten Jahr hatten sie dem sozialen Netzwerk unethisches Verhalten im Bezug auf den Umgang mit Kundendaten vorgeworfen. Der Rückzug auch von Instagram und Messenger dürfte wohl die Konsequenz dazu sein (nachzulesen auf derStandard.at). 

 

Gefällt Ihnen dieser Artikel?

Rund 1x/Monat bekommen Sie die besten Artikel kostenlos in Ihre Inbox.

Newsletter abonnieren

 
 
Maus