Sechs typische Usability-Fehler für Websites

10.04.2019 - Silke Mimlich

Inhalte und Angebote im Internet werden immer vergleichbarer. Webseitenbetreiber sind immer mehr gefordert, sich auch online deutlich von anderen abzuheben. Besonders Websites mit guter Benutzerführung und durchdachter Usability punkten im Kampf um die Gunst der User.

 

Genauso kann man sich mit einer schlechten Usability aber auch Chancen vergeben, User vergraulen und im schlimmsten Fall sogar dafür sorgen, dass sie nie wiederkommen. Doch worauf sollte man achten? Wo lauern typische Fallen?

 

Wir haben für Sie sechs häufige Usability-Fehler zusammengefasst:

 

Fehler #1: Schlecht oder gar nicht mobile-optimiert

Mobile Endgeräte sind mittlerweile fixer Bestandteil unseres Lebens. Laut Mobile Communications Report 2018 (nachzulesen bei mindtake) nutzen bereits 96% der österreichischen Onliner ein Smartphone. Allerdings beklagen immer noch 33% der User, dass Webseiten nicht handy-optimiert sind.

 

Spätestens seit der «mobile first»-Offensive von Google (wir haben darüber berichtet) möchte man meinen, dass Unternehmen schon längst auf den Zug der Mobile-Optimierung aufgesprungen sind. Doch immer noch findet man Webseiten, deren Inhalte am Handy so klein sind, dass man sie zoomen muss, um sie überhaupt lesen zu können.

 

Der entscheidende Faktor bei der mobilen Usability ist der deutlich kleinere Bildschirm. Es geht hier weniger um ein hübsches Design, als vielmehr um die Konzentration auf die wesentlichen Funktionen und Inhalte. „Weniger ist mehr“ lautet das Motto (das meint auch onlinemarketing.de).

 

Fehler #2: Schlechte Lesbarkeit

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr (wir haben schon 2008 darüber berichtet): Texte im Internet werden nicht gelesen, sondern gescannt!

 

Umso verwunderlicher ist es, dass man auf Webseiten teilweise immer noch seitenlange Textwüsten und Monster-Schachtelsätze findet. Darüber hinaus ist das, was man zu lesen bekommt, in vielen Fällen auch noch todlangweilig und trocken, gespickt mit sperrigen Fachbegriffen oder – noch schlimmer – einfach nur platter Werbetext (siehe auch welovecontent.de).

 

Dabei kann user-freundliches Texten so einfach sein: mehr Struktur durch Absätze und Bullet-Points; kurze und einfache Sätze; klare Call-to-Actions; schlagkräftige Headlines, die auch gelesen werden (wenn Sie unsere Tipps beherzigen ;-).

 

Seminar-Tipp: Noch mehr Know-how und zahlreiche Tipps & Tricks rund um das Thema Online-Texten bekommen Interessierte auch in unserem bewährten Praxis-Seminar «Erfolgreich Online Texten».

 

Fehler #3: Nicht-Einhaltung von Design-Konventionen

Der Mensch ist ein «Gewohnheitstier». Damit wir nicht dauernd nachdenken müssen, prägen wir uns Abläufe einfach ein. Das gilt auch für das Surfen auf Webseiten.

 

Im Laufe der Zeit haben sich bestimmte Konventionen etabliert, die von Usern gelernt wurden. Diese werden nicht nur auf den eigenen Seiten, sondern vor allem auch auf anderen Webseiten gefestigt. Wer hier mit den gängigen Mustern bricht, riskiert hohe Absprungraten, weil die Seite irritiert und damit auch nicht gefällt (siehe auch onlinemarketing.de).

 

Gerade die Konsistenz ist hinsichtlich der Usability besonders mächtig, da Sie dem Nutzer Sicherheit und Leichtigkeit im Umgang mit der Website gibt. Doch häufig sieht man immer wieder, dass auch innerhalb einer Website einzelne Elemente unterschiedlich gestaltet sind: mal wechseln die Farben; Hinweisboxen sehen auf unterschiedlichen Seiten anders aus; oder wichtige Elemente – wie z.B. Suchbox, Logo usw. – sind mal hier und mal da platziert. Das verunsichert die User und frustriert sie auch.

 

Ein typisches Beispiel ist auch die mangelnde Hervorhebung von Links (wie blogsheet.info beschreibt). «Such den Link» (oder die Call-to-Action) ist das unlustigste Spiel, das es für User im Internet bzw. auf Webseiten gibt. Text-Links sollten sich jedoch immer klar und deutlich vom übrigen Inhalt abheben.

 

Ein Beispiel: fase24.at macht es dem User wirklich nicht leicht den Link zu finden:

 

 

Und!? Können Sie die Call-to-Action erahnen? Wenn Sie sich mit der Maus quer über die Seite bewegen, sollten Sie diesen Link finden (und auch den Tippfehler ;-):

 

 

Fehler #4: Untaugliche Website-Suche

Seit Jahren steht nun fest: Gott und die Welt «googeln». Damit ist die Suche zu einer der wichtigsten Funktionen im Internet geworden. Das gilt nicht nur für Suchmaschinen, sondern auch für jede Website. Eine gute Suche ist allerdings auch eines der schwierigsten und komplexesten Features, die Programmierer heutzutage entwickeln müssen. Trotzdem: Es gibt nichts Nervigeres als eine Website-Suche, bei der man nicht findet, was man sucht.

 

Leider ist die Suche bei vielen Websites immer noch ein großer Schwachpunkt (wie die Usability-Experten rund um Jacob Nielsen wissen). Mal stimmen die Ergebnisse nicht mit den Suchanfragen überein, oder die Links auf der Ergebnisliste sind so nichtssagend, dass man sich durchklicken müsste, um eine Idee davon zu bekommen, was dahintersteckt. Auch Anzeigen in der Suchergebnis-Seite wirken kontraproduktiv, da sie den User ablenken und von der Suche weg – um nicht zu sagen «weiter in die Irre» – führen.

 

Abhilfe schaffen hier Suchfilter oder auch Suchvorschläge. Solche Features können – richtig umgesetzt – das Suchergebnis und damit auch das Sucherlebnis erheblich verbessern.

 

Fehler #5: Mangelnde Dialogfähigkeit

User bewegen sich grundsätzlich sehr zielorientiert durchs Internet (siehe auch onlinemarketing.de). Site-Besucher kommen auf die Seite, weil sie etwas erledigen möchten. Das kann sehr vielfältig sein: sie wollen etwas wissen, sich informieren, vergleichen, unterhalten werden, etwas kaufen oder buchen u.v.m. Ein häufiger Fehler, der hier gemacht wird, ist die User hier nicht abzuholen und sie dabei zu unterstützen, mit dem Unternehmen in Kontakt kommen zu können.

 

Dazu gehört vor allem die Erreichbarkeit bei Kundenanliegen. Bis vor kurzem waren Google, Amazon & Co dafür bekannt, dass man sie praktisch nicht direkt erreichen konnte. Wollte man eine Reklamation einbringen, suchte man vergeblich nach einer E-Mail-Adresse. Auch wenn man sich auch nur näher nach einem Produkt erkundigen wollte: Hat man endlich eine Telefonnummer gefunden, durfte man sich mit einem Anrufbeantwortungssystem auseinandersetzen.

 

Spätestens seit dem jüngsten Gerichtsurteil in Deutschland ist klar, dass im Sinne der Kunden- und User-Orientierung Unternehmen (im konkreten Fall Google) auch direkt – z.B. per Mail – erreichbar sein müssen. Standardisierte Antwortmails mit Verweis auf Formular- und Support-Seiten allein reichen nicht (mehr) aus.

 

Fehler #6: Nicht fehlerfreundlich

Fehler gehören zwar zum Leben dazu, aber trotzdem mögen wir sie nicht. Auch im Umgang mit Webseiten können Fehler passieren. Broken Links und Seiten, die es nicht mehr gibt, gehören genauso dazu, wie fehlerhafte Eingaben bei Formularen. Doch man kann sich als User wirklich ärgern, wenn Fehlermeldungen nicht klar und deutlich formuliert sind. Besonders lästig sind jene Hinweise, die einfach übersehen werden, weil sie nicht prominent ausgezeichnet sind.

 

Aber vor allem sollten Fehlermeldungen lösungsorientiert sein. Die meisten Hinweise erklären nicht, warum ein Fehler passiert ist und – vor allem – wie der User das Problem beheben kann (wie usability.ch) weiß.

 

Besonders bei den 404er-Fehlerseiten kann man auch eine Menge Kreativität beweisen. Meistens werden dem User zu dem ohnehin nervigen Problem, dass man in einer Sackgasse gelandet ist, auch noch die Standard-Fehlerseiten angezeigt. Dabei geht es doch viel user-freundlicher (wie unsere gesammelten Beispiele zeigen) – und vor allem auch lustiger ;-)

 

Fazit: Die schönste Website ist nichts wert, wenn sie den Nutzer frustriert und beim ersten Besuch auch gleich wieder verlassen wird. Eine gute Usability und User Experience sorgen dafür, dass Besucher länger bleiben – und letztlich finden, was sie suchen und auch kaufen, was ihnen gefällt. Oft sind es nur wenige Regeln, die Webseiten user-freundlich machen – und dafür sorgen, dass sie erfolgreich sind und Ziele erreichen!

 

Seminar-Tipp: Sie möchten sich rasch und kompakt an einem Tag ein fundiertes Grundlagen-Wissen über Web-Usability und deren Nutzen beim Einsatz in der Webentwicklung aufbauen? Dann könnte unser Seminar «Usability für Websites» für Sie interessant sein.

 

 

 

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