Serie »Kaum bekannte Google-Perlen« 16: Google Surveys

30.06.2019 - Michael Kornfeld

Einige Apps von Google kennt fast jedermann: Google Analytics, Google-Mail oder Google Docs.

 

Doch es gibt einige nützliche Applikationen von Google, die teilweise recht unbekannt sind. Was schade ist, denn darunter befindet sich durchaus die eine oder andere Software-Perle!

 

Marktforschung leicht gemacht

Wer wissen will, was Kunden wollen, muss sie einfach nur fragen. Doch die konventionelle Marktforschung ist für viele Unternehmen entweder zu teuer – oder es dauert zu lange, bis man zu einem repräsentativen Ergebnis kommt. Da schafft Google (wieder einmal ;-) Abhilfe.

 

Mit Google Surveys kann man schnell und kostengünstig eine Umfrage im Internet starten. Man kann mit dem Tool Umfragen erstellen, auf konkrete Teilnehmer ausrichten und innerhalb kurzer Zeit statistisch signifikante Ergebnisse erzielen.

 

So einfach und schnell funktioniert’s:

Mit vier einfachen Schritten kann man in nur wenigen Tagen eine repräsentative Befragung realisieren und entsprechende Schlüsse daraus ziehen:

 

  1. Umfrage erstellen: bis zu zehn Fragen, verschiedene Fragenformate (z. B. Multiple-Choice, Sterne-Bewertung usw.)
  2. Teilnehmer auswählen: Veröffentlichung im Publisher-Netzwerk und der mobilen App (d.h. Teilnehmer müssen nicht direkt eingeladen werden, sondern es werden aktive Internetuser befragt); Auswahl der Teilnehmer durch demografische Merkmale oder Filterfragen
  3. Antworten von aktiven Usern:
    Echtzeit-Befragung im Netzwerk beliebter Websites und auf der mobilen App; Nutzer beantworten Fragen für Incentives (Zugriff auf Premiuminhalte oder Google Play-Guthaben)
  4. Ergebnisse und Reports: übersichtliche Grafiken, demografische Segmentierungen und Kreuzauswertungen; können per E-Mail geteilt werden

 

Pay-As-You-Go-Service oder Enterprise-Lösung

Google bietet seinen Marktforschungsdienst derzeit in zwei verschiedenen Varianten:

 

  • Surveys: für mittlere Unternehmen, die Adhoc-Umfragen durchführen
  • Surveys 360: für größere Unternehmen mit vielen Nutzern und höheren Anforderungen (z.B. Ausrichtung auf Remarketing-Zielgruppe; Einbindung von Listen aus Analytics, Search Ads 360, Google Ads und YouTube)

 

Für Google Surveys bezahlt man für jede vollständige Beantwortung, d.h. es wird nur dann verrechnet, wenn der Nutzer auch alle Fragen beantwortet hat. Die Preise starten bei EUR 0,09 pro Antwort – die endgültigen Kosten richten sich nach der gewünschten Zielgruppe, nach der Anzahl der Fragen und danach, ob Filterfragen enthalten sind.

 

Ein Rechenbeispiel: Ihre Umfrage umfasst 10 Fragen, ist auf die Allgemeinbevölkerung und Nutzer von Android-Smartphones ausgerichtet und enthält keine Filterfragen – am Ende beantworten 500 User die Umfrage vollständig: somit bezahlen Sie 0,90 x 500 User – also 450,– Euro.

 

Die Kosten für die Unternehmenslösung kann man über das Vertriebsteam von Google erfahren.

 

Kostenlose Alternative: Für ganz einfache Umfragen könnte übrigens vielleicht auch Google Forms (wir haben darüber berichtet) praktikabel sein!

 

Hochwertig und für alle – geht das überhaupt?

Bereits 2012 wurde dieser Service (damals noch als „Google Umfragen“) eingeführt. Das Ziel von Google: „hochwertige Marktforschung in die Hände von Unternehmen aller Größen zu legen“. Doch kann das alles wirklich so einfach und schön sein? Wir haben uns in der Redaktion auch einige kritische Fragen gestellt:

 

Frage: Wie groß ist die deutschsprachige Community?

Im März 2018 hat Google seine Umfragen auf weitere 50 Länder ausgerollt. Damit können aktuell in mehr als 70 Ländern (in 18 verschiedenen Sprachen) Umfragen durchgeführt werden. Weitere Länder sollen folgen, wie Google im Video „Survey more audiences than ever before“ ankündigt.

 

In Österreich können derzeit nur Besucher von Websites im Publisher-Netzwerk für Google Surveys erreicht werden. Die Ausspielung der Umfragen an Nutzer der Google-Umfrage App gibt es aktuell nur in Deutschland.

 

Um eine Einschätzung von der deutschsprachigen bzw. österreichischen Reichweite zu bekommen, haben wir im Tool eine Test-Umfrage erstellt. Wir konnten zwar eingeben wie viele vollständige Beantwortungen wir anstreben (also z.B. 500), haben aber keine Rückmeldung bekommen, wie lange die Umfrage dann laufen muss oder wie groß die potenzielle Teilnehmergruppe ist. Da hilft wohl nur eins: mit einer „echten“ Test-Umfrage herausfinden ;-)

 

Frage: Wie repräsentativ sind die Teilnehmer tatsächlich?

In Österreich wird aktuell nur mit willkürlichen Stichproben gearbeitet. Das heißt, dass die Teilnehmer einfach der Reihe nach befragt werden.

 

Für die Feststellung von Trends und Entwicklungen innerhalb der österreichischen Bevölkerung eignen sich die Umfragen also wegen der Stichproben-Verzerrung nicht – für die Erhebung grundlegender Daten und Statistiken (z.B. einfache User-Befragungen die auch mit Filter gezielt segmentiert werden können) oder das Testen von Werbemitteln durchaus.

 

Eine repräsentative Stichprobe ist im deutschsprachigen Raum derzeit nur für Umfragen in Deutschland möglich. Dort erfolgt dann eine ausgewogene Verteilung der Teilnehmer nach demografischen Merkmalen: Standort, Alter und Geschlecht.

 

Lese-Tipp: Eine genauere Beschreibung zu den Panels hat Google in einem kostenlosen Whitepaper [PDF] zusammengefasst.

 

Frage: Wenn ich aber nur meine Kunden befragen will, kann ich die auch über Google Surveys erreichen?

Grundsätzlich ja, allerdings ist eine Ausrichtung auf Nutzerlisten nur in der Enterprise-Version mit Hilfe des Unterstützung des Surveys 360-Serviceteams möglich – mit der kleinen Version geht das nicht.

 

Unser Fazit: Mit Google Surveys hat der Internet-Riese in jedem Fall ein spannendes Tool im Angebot. Auch wenn es für repräsentative Trend-Ermittlung in der österreichischen Bevölkerung nicht geeignet ist, hat man dennoch die Chance auf schnelles Feedback und braucht dafür auch keine Agentur oder Marktforschungs-Dienstleister.

 

Man kann so schnell, einfach und kostengünstig in Erfahrung bringen, welches Konzept auf Anklang findet, welches Werbemittel besser ankommt oder welches Design am meisten anspricht.

 

Frei nach dem Do-it-yourself-Motto kann man also anstehende Entscheidungen untermauern oder mehr über seine potenziellen Kunden und deren Präferenzen erfahren.

 

Google Surveys ausprobieren

 

P.S. Wir haben noch viele weitere Artikel zu solchen Google-Perlen geschrieben und für Sie übersichtlich auf einer Seite zusammengefasst: Die besten Google Tools auf einen Blick

 

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