Sind Ihre Texte leicht lesbar?

10.11.2019 - Michael Kornfeld

Der interessanteste Inhalt ist wertlos, wenn er nicht gelesen wird. Ein wichtiges Kriterium dabei ist die Lesbarkeit der Texte. Denn sie entscheidet darüber, ob der Inhalt wahrgenommen wird oder nicht.

 

Die Lesbarkeit kann man überprüfen!

Der wichtigste Erfolgsfaktor für gute Texte ist also die Lesbarkeit: Die Texte sollten kurz und knackig sein, möglichst ohne viele Fremdwörter oder lange Schachtelsätze.

 

Und genau das lässt sich mit einem simplen Tool ganz einfach und kostenlos überprüfen: Sie rufen die Website leichtlesbar auf und kopieren Ihren Text in das Eingabe-Feld. Sofort bekommen Sie ein Ergebnis, normalerweise eine Zahl zwischen 0 (sehr schwer lesbar, z.B. rechtliche Texte) und 100 (extrem leicht lesbar).

 

Dabei gibt es auch eine Kategorisierung des Ergebnisses (z.B. „Boulevard-Zeitung“ oder „fachliche Abhandlung“) und eine Einstufung über das notwendige Bildungsniveau, das für das Lesen des Textes notwendig ist.

 

Ein Beispiel: Von der Website der Zeitung „Österreich“ haben wir einen Artikel über einen Leichenfund im Donaukanal analysiert:

 

„Eine Leiche im Wiener Donaukanal: Samstag kurz vor 16.00 Uhr wurde im Bereich Badeschiff/Salztorbrücke Alarm gegeben. Dort trieb eine Leiche im Wasser. "Die Bergungsaktion läuft gerade", erklärte ein Sprecher der Wiener Polizei. Die Hintergründe seien noch völlig unklar. "Wir ermitteln. Man kann noch nicht sagen, ob es ein Unfall, Suizid oder Fremdverschulden war", sagte der Polizeisprecher. Die Wiener Feuerwehr wurde mit einem Wagen zur Assistenzleistung angefordert. Zunächst war auch unklar, ob es sich um die sterblichen Überreste eines Mannes oder einer Frau handelte.“

 

Das Analyse-Ergebnis für diesen Text ist einen Flesch-Wert von 50. Das liegt genau in der Kategorie „Boulevardzeitung“ und das Bildungsniveau ist „durchschnittlich (Sek, FOS, Berufsschule)“. Eine Punktlandung also.

 

Hobby-Projekt oder Wissenschaft?

Die Analyse liefert den sog. Flesch-Wert: „Die Formel stammt von Rudolf Flesch, einem gebürtigen Wiener, der 1938 in die USA ausgewandert ist und dort mit seinen Büchern Furore gemacht hat - unter anderem mit «How to Write Plain English» (Barnes & Noble Books, 1979).

 

Der Flesch-Index (auch: Lesbarkeitsindex, Lesbarkeitsgrad) misst, wie leicht ein Text auf Grund seiner Struktur lesbar und verständlich ist. Über den Inhalt sagt der Index nichts aus. Er basiert vor allem auf der Tatsache, dass kurze Wörter und kurze Sätze in der Regel leichter verständlich sind als lange, wobei die Länge der Wörter ein größeres Gewicht hat als die Länge der Sätze.“

 

Sie können gerne unterschiedliche weitere Texte damit überprüfen. Sie werden vermutlich unsere Erfahrung teilen: Die Formel funktioniert erstaunlich gut!

 

So interpretieren Sie das Ergebnis

Der Flesch-Wert sollte in Zusammenhang mit der Zielgruppe interpretiert werden: Für junge Lehrlinge wird man also auf ein anderes Ergebnis abzielen als bei Ärzten. Denn je nach Zielgruppe kann man ein anderes Bildungs- und damit Sprachniveau voraussetzen.

 

Allerdings gibt es eine Daumenregel: Das Ergebnis sollte um ungefähr zwei Schulstufen „höher“ (=leichter lesbar) sein als das faktische Bildungsniveau der Zielgruppe. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass Newsletter-Texte eher überflogen als Wort-für-Wort gelesen werden.

 

Als Richtwert kann man in den meisten Fällen einen Wert von mindestens 40 Punkten heranziehen. Weniger Punkte sollten die meisten Texte normalerweise nicht aufweisen.

 

Lesbarkeit ist nicht Verständlichkeit

So nützlich dieses Tool auch ist, man darf eines dabei nicht übersehen: Leicht lesbare Texte bedeuten nicht zwingend, dass ein Text auch verstanden wird. Denn wenn der Text zwar aus kurzen Sätzen und Wörtern besteht, dafür jedoch unzählige Fachbegriffe, unbekannte Abkürzungen und Anglizismen enthält, wird er zwar vielleicht leicht lesbar sein – ist aber dennoch nicht verständlich.

 

Da hilft nur eines: Der Quer-Check eines echten Menschen, den man den Text ebenfalls lesen lässt. Das sollte idealerweise eine Person aus der Zielgruppe sein – und nicht der Kollege gegenüber, der über ein ähnliches Fachwissen verfügt. Ideal wäre also ein „unbedarfter Zweitleser.“

 

Seminar-Tipp: Der schönste Text ist wertlos, wenn ihn keiner liest. Oft sind es nur einige Regeln und wenige Tricks, die Texte online erfolgreich machen – und dafür sorgen, dass sie gelesen werden (und damit Ziele erreichen!). Unser Seminar „Erfolgreich Online-Texten“ gibt unzählige Tipps aus und für die Praxis, wahlweise ein- oder zwei-tägig. Heuer gibt es nur noch einen Termin: 25./26. November 2019, von 9:00-17:00 Uhr in Wien.

 

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